Unser Blog des Denkens der Ruhe und Entfaltung

Mit der Natur im Einklang

ein Stamm auf Zeit & ein Feuer, das verbindet ( Eine Kooperation mit dem Klemmfestung e.V )

Vom 2. auf 3. Mai 2026 wurde aus der Klemmfestung eine Naturfestung, ein Ort, an dem Zeit langsamer floss, Herzen offener wurden und Kinder wie Erwachsene gemeinsam – ohne Druck, ohne Erwartungen, aber mit ganz viel Mut, Nähe und Naturmagie ankamen.

Schon zu Beginn formte sich ein Stamm auf Zeit. Jede*r wählte einen Namen, der sich stimmig anfühlte – kraftvoll, spielerisch oder einfach voller Lebensfreude. Mit diesem Namen trat jede Person ein Stück näher zu sich selbst und gleichzeitig in die Gemeinschaft. Aus Einzelnen wurde ein Kreis. Aus einem Treffen wurde Verbundenheit.

Im Herzen des Wochenendes lag das Feuer. Mit Eisen und Stein schlugen die Teilnehmenden beharrlich Funken, sammelten Glut, hauchten ihr mit Atem Leben ein. Aus Geduld, Anstrengung und Vertrauen wuchs schließlich eine Flamme – zunächst klein, dann kräftig. Viele kleine Flämmchen verbanden sich unbemerkt zu einem großen Stammesfeuer, das wärmte, trug und verband. Über diesem Feuer stiegen Gedanken, Wünsche und Hoffnungen wie feiner Rauch in den Himmel. Geschichten aus alten Zeiten erinnerten an die Macht der Gedanken, an Resonanz, Inspiration und das Wissen, dass in jedem Menschen etwas Einzigartiges schlummert.

In der Stille der Nacht führte der Weg in die Dunkelheit – achtsam und leise, voller Vertrauen. Begleitet vom Mond trugen die Teilnehmenden ihr eigenes Licht nach außen und lernten: Ein Stamm hält, trägt und man darf sich anlehnen.

Der Höhepunkt des Wochenendes war der Schwellenübergang – ein Sprung über das Feuer oder eine kindgerechte Alternative. Kein Zwang, kein Müssen. Jede Entscheidung war richtig. Dieser Moment verankerte Erlebtes im Inneren und machte sichtbar, was oft verborgen bleibt: Mut wächst, wenn er gesehen werden darf. Selbstvertrauen entsteht, wenn Gemeinschaft da ist. Am zweiten Tag wurde gespielt, gelacht, reflektiert und losgelassen.

Mit leuchtenden Augen und offenen Herzen traten alle den Rückweg an – ein kleines Stück gewachsen, vielleicht ein paar Schritte stärker. Wir sind zutiefst dankbar für diese wachen, mutigen, neugierigen Kinder. Dieses Wochenende hat gezeigt, was möglich ist, wenn Natur, Gemeinschaft und Vertrauen zusammenkommen.

Text: Anke/ Klemmfestung e.V

Der Eichenspross

Ein Märchen, aus einem Landart Prozess

Eingezwängt zwischen verdorrten Stöckchen, auf morastigen Grund, umgeben von im
Viereck angeordneten Mauern aus Stein und Stechpalmen, versunken im Morast aus alter Zeit
– so harrte er aus, ein knorriger, ausgelaugter Wurzelast.

Ein schwarzer Fichtenzapfen war sein einziger Begleiter, während sein Herz sich nach dem
Platz des Eichenspross sehnte, der am fernen Ufer stand.
Der Eichenspross. Welch beneidenswertes Dasein er führte, dachte der Ast. Eine zarte Buche
und ein kleines Ahornblatt waren seine Gefährten, und ja, auch ihn begleitete ein schwarzer
Fichtenzapfen. Dorthin, wo die junge Eiche mit ihren Begleitern stand, zog es ihn mit aller
Macht.
Die kleine Eiche kannte keine Mauern, keine Dornen, kein Gefängnis. Sie stand nicht
inmitten toter Stöckchen und verrotteter Erde. Stattdessen ruhte sie mit ihren Begleitern am
Rande einer farbenprächtigen Wiese, übersät mit zarten Flechten, leuchtendem Habichtskraut
und sanften Vergissmeinnicht. Ein Ring aus Zapfen umgab dieses friedliche Fleckchen.
“Ach, wäre da nur nicht diese, alte, marode Brücke mit ihrem unermesslich tiefen Graben
darunter! Und dieser verdammte, Morast!”
Und mit jedem mal, wenn der kleine Ast zur Eiche blickte, überkam ihn eine tiefe Traurigkeit.
Er zweifelte, ob er es jemals zu den anderen schaffen würde. So viel hatte er schon versucht,
doch seine Geduld war längst erschöpft.

Da tauchte eine kleine, bezaubernde Fee, leise surrend auf, Ihre schimmerten Flügel zeigten
das Licht in all seiner Weisheit, während sie einen süßen Duft nach Fichtenharz damit
verbreitet.
„Was bedrückt dich denn, du alter Stamm?“, fragte sie mit einer Stimme so sanft wie der
Sommerwind.
Der kleine Ast verdutzt, seine Stimme war rau vor langer Verzweilfung: „ Meinst du mich?
Ich möchte dorthin, Fee! Auf diese Wiese! Wo die Eiche mit ihren Begleitern, den Blumen
und all ihren Bewohnern einst Schatten spenden wird! So hilf mir doch!”
Traurig senkt er seinen Kopf mit verschlossenen Blick, und schmollte: „Wie schön es dort
drüben sein muss, mit schläfrigen Blick die Morgensonne begrüßen zu dürfen und sein
Köpfchen entgegen zu strecken”
Bemitleidend sah die Fee ihn an, ihr Blick war weich wie Moos: „Das kann ich nicht, kleines
Pflänzchen, so gerne ich dir dabei helfen würde. Es geht leider nicht! Du musst dich selbst aus
diesem Morast befreien, denn wahre Befreiung kommt von innen.“
Ein bitteres Lachen entwich dem Ast, hohl und knarrend: „Wofür bist du dann überhaupt hier
aufgetaucht?! Bist du nur gekommen, um meine Pein zu sehen?“

Die Fee schmunzelte ein wenig und flüsterte ihm leise ins Ohr, ihre Worte waren wie ein
warmer Hauch: „Mein alter Freund des Waldes, Ich kann dir dabei helfen, über die Brücke zu
kommen, wenn du das möchtest“
• Schnipp! Ein feuchter Grasteppich, frisch, duftend nach Mahd, legte sich über die alte
Brücke, dick und stabil genug für den kleinen Ast.
Der Ast knarrzte: „Mir bringt das doch nichts, du blöde Nuss! Mir einen Grasteppich daher
schnippen, aber mich nicht einmal hier herausziehen wollen! Ich stecke fest, siehst du das?
Ich komme nicht einmal hier heraus Fee, wie soll ich dann noch diese Stechpalmen und diese
Wände überwinden?!“
• Schnipp! Ein dunkelgrüner Farn, voller Leben und Saft, legte sich über die
Stechpalme, wie ein kuscheliges Kissen, das zum Ausruhen einlud.
„Toll! Und jetzt nur noch diese riesigen Mauern, kleiner Wind! Dann muss ich nur noch hier
raus”

Die kleine Fee überlegte einen Moment, ihr Antlitz wurde ernst. Ihre Stimme senkte sich,
klang nun tief und voller alter Weisheit: „Kleiner Eichenspross, deine Mauern sind einfach zu
schwer für mich Luftwesen! Du forderst zu viel von mir, das ist die Last deiner eigenen
Gedanken! Deine Wurzeln aber, mein alter Freund! Deine Wurzeln können das! Spreng dir
die Mauern und die Brücke, denn die brauchst du doch gar nicht als Baum! Ein Baum kennt
keine Brücken, er ist Teil des Ganzen!“
Der Ast, müde vom Kräfte zehrenden Vor und Zurück, von seinen eigenen Zweifeln
zerfressen, resignierte: „Was verstehst du nicht? Ich stecke hier fest! Und ich kann nicht
mehr! Außerdem bin ich kein Baum, ich bin kein Stamm, kein Spross oder sonst was!
Sondern ein kleines, verdorrtes, übrig gebliebenes Etwas von einem Baum!“
„Deine Wurzeln, Spross!“ Die Fee wiederholte es, ihre Stimme wurde drängender, wie der
Ruf des Windes. „Vergiss deine Wurzeln nicht!”
„Was soll das?!”
„Schau auf deine Wurzeln, kleines Pflänzchen, nicht hier hoch zu mir! Schau, wo deine
Wurzeln liegen! Dort liegt deine wahre Kraft!“
„Ich habe keine Wurzeln mehr! Ich bin ein kleines abgebrochenes Ästlein“
Die Fee atmete tief ein, ihre Geduld schien unendlich. „Kleiner Ast!“
„Na endlich hat sie es verstanden“, dachte der Ast mit einem Anflug von Genugtuung.
Die Fee, langsam auch sie mit der Geduld am Ende: „Schau jetzt endlich nach unten du Stures
Ding, bevor du dich ganz verlierst!“

Völlig am Ende gab der Ast auf, rollte die Augen und blickte zum ersten Mal seit langem
wieder an sich herab. Ein Schock durchfuhr ihn, als er sich selbst betrachtete, doch es war ein
angenehmer. Er war die Eiche selbst, die eines Tages majestätisch Schatten spenden würde.
Die Fee lächelte und setzte sich sanft in seine Krone. „Siehst du? Du steckst gar nicht fest du
Dummerchen. Du bist schon auf dem Weg. Deine Wurzeln reichen weit über das hinaus, was
du für Mauern und Morast hieltest. Das, was dich bedrückt, ist nur eine Illusion. Die Brücke,
die Stacheln, die Mauern all das existiert nur in deinem Kopf als Hindernis. Du hast die Kraft
in dir, alles zu überwinden, weil du es bereits getan hast.“
Er sah, obwohl er noch so ein kleines Bäumchen war, seine uralten, dicken Wurzeln, aus
einem alten Leben, welche unter die angebliche Brücke reichten und sich durch die
scheinbaren Mauern schlängelten, wo sie sich fest im nährstoffreichen Morast des Lebens
verankerten. Dort wo er eben noch dachte gewesen zu sein.
Ein Gefühl der Wärme durchströmte ihn. Er spürte die zarte Buche neben sich und das kleine
Ahornblatt welches im Wind tanzte. Der schwarze Fichtenzapfen, sein alter Begleiter, lag
noch immer treu bei ihm, ab nun war er nicht mehr allein. Er war Teil eines Kreises, der die
Wiese und ihre Bewohner umgab.

Die Fee nickte ihm aufmunternd zu. „Du hast es geschafft, kleiner Spross. Du hast dich selbst
befreit, indem du erkannt hast, dass du nie wirklich gefangen warst und dass du schon immer
das warst, wonach du dich sehntest. Als ein Teil des Kreises!”
Der Ast – nun der Spross und bald wieder eine riesige Eiche – blickte in vollster
Zufriedenheit über die Wiese. Er war nicht „da drüben“. Das war nur ein alter Teil von ihm,
eine ferne Sehnsucht, die sich als Illusion entpuppte. Er war bereits hier, wo er hingehörte,
verbunden mit der bunten Wiese, umgeben von pulsierendem Leben. Er war der kleine
Spross, der einst wieder Schatten spenden wird.
Nun, wieder wissend um die Kraft und Schönheit seiner selbst, erkennend, das sein Geist sich
in vergangene Zeiten verirrte, riss er die alte Brücke nieder und zerquetschte die alten
Mauern, die ihm die Sicht auf seine wahre Natur genommen hatten. Aus zwei völlig fremden
Welten wurde eine riesige wunderschöne Landschaft, in der er sich nun mit seinen Gefährten
in Vater Sonnes Antlitz erfreuen darf.