Zeit für Anderes

weil es so viele Dinge gibt, die noch nicht erzählt sind...

04.05.2026

Die Naturfestung

Ein Wochenende mit der Klemmfestung e.V
Im Zeichen des Stammes und der inneren Flamme

Am Wochende nach Beltane, begleiteteten wir die Klemmfestung, ein Verein, welcher sich für Inklusion und Neurodiversität einsetzt. Für Mit- und Nichtmitglieder, bietet die Klemmfestung abwechslungsreiche Angebote, ausgerichtet an die Bedürfnisse der Kids. Ganz nebenbei bieten sie noch den passenden Klemmstein- Laden oder besser gesagt Festung in Sulz am Eck. 

Für alle Klemmbaustein-Fans unter Euch: Ein Besuch lohnt sich!  

Mit Hilfe von Mutter Natur durften wir diesmal, den Kindern ein besonderes Erlebnis schenken, um gemeinsam mit den Eltern, Räume der Inklusion zu öffnen.  Also gründeten wir an diesem Wochenende einen Stamm auf Zeit und entfachten ein gemeinsames Stammesfeuer.

Wir erlebten jedemenge kleine „Landawarriar“, bereit über ihre eigenenen Grenzen zu blicken um diese zu überwinden ⚔️🛡️🌿
Sie bildeten einen Stamm auf Zeit, indem Jede/r, einen Namen trug, der zum Ausdruck brachte,wie sie sich fühlten, wer sie sind, was sie sind, oder mit dem sie sich wohl fühlten oder aber auch Namen, die für sie einfach nur den Spaß am Leben ausdrückten🥳

Alt und Jung versammelten sich so im Kreis, Mit Eisen & Stein schlugen sie wacker Ihre Funken, Ihre Glut gaben sie in ein Nest, hauchten mit Ihrem Atem das Leben ein, bis aus der Glut( dem Ei) und der Hitze der Anstrengung(Brut) eine Flamme erwachte. Diese einzelnen Flämmchen, verbanden sich verborgen und unsichtbar wie ein feiner Garn in einem großem Stammesfeuer. Und die  Wünsche des Stammes stiegen damit gen Himmel🔥🌀

Eine Geschichte aus alten Tagen, erzählte über das Leben und die Macht der Gedanken, aber auch über Resonanzen und die Inspiration, die in jedem von uns verborgen liegt.✨

Mit der wandelnden Göttin des Mondes 🌖, trugen sie ihr Licht in die Welt, lernten, dass ein Stamm Schultern bietet, woran man sich ungefragt abstützen darf.

Und mit einem Sprung über das Feuer, initiierten sie Ihre ganz eigenen Erfahrungen & Erlebnisse, die sie an diesem Wochenende lebten🙏🏼
Vielleicht wieder einen kleinen Schritt weiter💪🏼🌿

Wir sind unheimlich dankbar für diese Wunderfinder Kinderaugen und sind unheimlich Stolz auf jede/n Einzelne/n von Euch! 🌿🙏❤️

Im Vertrauen zu Mutter Erde.

🌿ANÓANÁ 🌿

20.04.2026

Der Eichenspross

Ein Märchen, welches einem Naturbild entsprang

In der Ausbildung zum Naturcoach, gestalteten wir bei einer Übung ein Bild aus Naturmaterialien und dem Gefühl welches Momentan in einem herrschte, dieses solle später vom jeweiligen Gegenüber, dann begutachtet und rein intuitiv verändert werden, ohne dabei etwas zu entfernen. 

Aus dem Bild,  das heute nur noh in meinem Geiste schwebt, und den gemachten Erfahrungen entstand später dieses Märchen, ich wünsche euch viel Spaß beim lesen 🙂 

Einst, eingezwängt zwischen verdorrten Stöckchen, auf morastigen Grund, umgeben von im Viereck angeordneten Mauern aus Stein und Stechpalmen, versunken im Morast aus alter Zeit – so harrte er aus, ein knorriger, ausgelaugter Wurzelast. Ein schwarzer Fichtenzapfen war sein einziger Begleiter, während sein Herz sich nach dem Platz des Eichenspross sehnte, der am fernen Ufer stand.

 

„Der Eichenspross. Welch beneidenswertes Dasein er führe“ seufzte der Ast. 

Eine zarte Buche und ein kleines Ahornblatt waren seine Gefährten, und ja, auch ihn begleitete ein schwarzer Fichtenzapfen. 

Dorthin, wo die junge Eiche mit ihren Begleitern stand, zog es ihn mit aller Macht.

Die kleine Eiche kannte keine Mauern, keine Dornen, kein Gefängnis. Sie stand nicht inmitten toter Stöckchen und verrotteter Erde. 

Stattdessen ruhte sie mit ihren Begleitern am Rande einer farbenprächtigen Wiese, übersät mit zarten Flechten, leuchtendem Habichtskraut und sanften Vergissmeinnicht. Ein Ring aus Zapfen umgab dieses friedliche Fleckchen.

“Ach, wäre da nur nicht diese, alte, marode Brücke mit ihrem unermesslich tiefen Graben darunter! Und dieser verdammte, Morast!”

Und mit jedem mal, wenn der kleine Ast zur Eiche blickte, überkam ihn eine tiefe Traurigkeit. 

Er zweifelte, ob er es jemals zu den anderen schaffen würde. So viel hatte er schon versucht, doch seine Geduld war längst erschöpft.

…Die Begegnung mit der Fee…

Da tauchte eine kleine, bezaubernde Fee, leise surrend auf, Ihre schimmerten Flügel zeigten das Licht in all seiner Weisheit, während sie einen süßen Duft nach Fichtenharz damit verbreitet.

„Was bedrückt dich denn, du alter Stamm?“

fragte sie mit einer Stimme so sanft wie der Sommerwind.

Der kleine Ast verdutzt, seine Stimme war rau vor langer Verzweilfung:

Meinst du mich? Ich möchte dorthin, Fee! Auf diese Wiese! Wo die Eiche mit ihren Begleitern, den Blumen und all ihren Bewohnern einst Schatten spenden wird! So hilf mir doch!”

Traurig senkt er seinen Kopf mit verschlossenen Blick, und schmollte: 

„Wie schön es dort drüben sein muss, mit schläfrigen Blick die Morgensonne begrüßen zu dürfen und sein Köpfchen entgegen zu strecken”

Bemitleidend sah die Fee ihn an, ihr Blick war weich wie Moos: 

„Das kann ich nicht, kleines Pflänzchen, so gerne ich dir dabei helfen würde. Es geht leider nicht! Du musst dich selbst aus diesem Morast befreien, denn wahre Befreiung kommt von innen.“

Ein bitteres Lachen entwich dem Ast, hohl und knarrend: 

„Wofür bist du dann überhaupt hier aufgetaucht?! Bist du nur gekommen, um meine Pein zu sehen?“

 

…Die Hilfsangebote…

Die Fee schmunzelte ein wenig und flüsterte ihm leise ins Ohr, ihre Worte waren wie ein warmer Hauch: 

„Mein alter Freund des Waldes, Ich kann dir dabei helfen, über die Brücke zu kommen, wenn du das möchtest“

  • Schnipp! Ein feuchter Grasteppich, frisch, duftend nach Mahd, legte sich über die alte Brücke, dick und stabil genug für den kleinen Ast.

 

Der Ast knarrzte enttäuscht: „Mir bringt das doch nichts, du blöde Nuss! Mir einen Grasteppich daher schnippen, aber mich nicht einmal hier herausziehen wollen! Ich stecke fest, siehst du das? Ich komme nicht einmal hier heraus Fee, wie soll ich dann noch diese Stechpalmen und diese Wände überwinden?!“

  • Schnipp! Ein dunkelgrüner Farn, voller Leben und Saft, legte sich über die Stechpalme, wie ein kuscheliges Kissen, das zum Ausruhen einlud.

 
Von diesen Wundern verblüfft und schon voller Eifer, rief der kleine Ast freudig:

„Toll! Und jetzt nur noch diese riesigen Mauern, kleiner Wind! Dann muss ich nur noch hier raus!”

 

…Die Erkenntnis der Wurzeln…

Die kleine Fee überlegte einen Moment, ihr Antlitz wurde ernst. Ihre Stimme senkte sich, klang nun tief und voller alter Weisheit: 

„Kleiner Eichenspross, deine Mauern sind einfach zu schwer für mich Luftwesen! Du forderst zu viel von mir, das ist die Last deiner eigenen Gedanken! Deine Wurzeln aber, mein alter Freund! Deine Wurzeln können das! Spreng dir die Mauern und die Brücke, denn die brauchst du doch gar nicht als Baum! Ein Baum kennt keine Brücken, er ist Teil des Ganzen!“

Der Ast, müde vom Kräfte zehrenden Vor und Zurück, von seinen eigenen Zweifeln zerfressen, resignierte:

„Was verstehst du nicht? Ich stecke hier fest! Und ich kann nicht mehr! Außerdem bin ich kein Baum, ich bin kein Stamm, kein Spross oder sonst was! Sondern ein kleines, verdorrtes, übrig gebliebenes Etwas von einem Baum!“

Deine Wurzeln, Spross!“ Die Fee wiederholte es, ihre Stimme wurde drängender, wie der Ruf des Windes. 

„Vergiss deine Wurzeln nicht!”

„Was soll das?!” raunzte er.

Schau auf deine Wurzeln, kleines Pflänzchen, nicht hier hoch zu mir! Schau, wo deine Wurzeln liegen! Dort liegt deine wahre Kraft!“

„Ich habe keine Wurzeln mehr! Ich bin ein kleines abgebrochenes Ästlein“ entgegnete er Ihr mit alter Wut und Verbitterung.

Die Fee atmete tief ein, ihre Geduld schien unendlich : „Kleiner Ast!“

„Na endlich hat sie es verstanden“, dachte der Ast mit einem Anflug von Genugtuung.

Die Fee, doch auch sie langsam mit der Geduld am Ende: „Schau jetzt doch endlich nach unten du Stures Ding, bevor du dich ganz verlierst!“

 

…Die Wandlung…

Völlig am Ende gab der Ast auf, rollte die Augen und blickte zum ersten Mal seit langem wieder an sich herab. Ein Schock durchfuhr ihn, als er sich selbst betrachtete, doch es war ein angenehmer. Er war die Eiche selbst, die eines Tages majestätisch Schatten spenden würde.

Die Fee lächelte und setzte sich sanft in seine Krone. „Siehst du? Du steckst gar nicht fest du Dummerchen. Du bist schon auf dem Weg. Deine Wurzeln reichen weit über das hinaus, was du für Mauern und Morast hieltest. Das, was dich bedrückt, ist nur eine Illusion. Die Brücke, die Stacheln, die Mauern all das existiert nur in deinem Kopf als Hindernis. Du hast die Kraft in dir, alles zu überwinden, weil du es bereits getan hast.“

Er sah, obwohl er noch so ein kleines Bäumchen war, seine uralten, dicken Wurzeln, aus einem alten Leben, welche unter die angebliche Brücke reichten und sich durch die scheinbaren Mauern schlängelten, wo sie sich fest im nährstoffreichen Morast des Lebens verankerten. Dort wo er eben noch dachte gewesen zu sein.

Ein Gefühl der Wärme durchströmte ihn. Er spürte die zarte Buche neben sich und das kleine Ahornblatt welches im Wind tanzte. Der schwarze Fichtenzapfen, sein alter Begleiter, lag noch immer treu bei ihm, ab nun war er nicht mehr allein. Er war Teil eines Kreises, der die Wiese und ihre Bewohner umgab.

…Das neue Leben…

Die Fee nickte ihm aufmunternd zu. „Du hast es geschafft, kleiner Spross. Du hast dich selbst befreit, indem du erkannt hast, dass du nie wirklich gefangen warst und dass du schon immer das warst, wonach du dich sehntest. Als ein Teil des Kreises!”

Der Ast – nun der Spross und bald wieder eine riesige Eiche – blickte in vollster Zufriedenheit über die Wiese. Er war nicht „da drüben“. Das war nur ein alter Teil von ihm, eine ferne Sehnsucht, die sich als Illusion entpuppte. Er war bereits hier, wo er hingehörte, verbunden mit der bunten Wiese, umgeben von pulsierendem Leben. Er war der kleine Spross, der einst wieder Schatten spenden wird.

Nun, wieder wissend um die Kraft und Schönheit seiner selbst, erkennend, das sein Geist sich in vergangene Zeiten verirrte, riss er die alte Brücke nieder und zerquetschte die alten Mauern, die ihm die Sicht auf seine wahre Natur genommen hatten. Aus zwei völlig fremden Welten wurde eine riesige wunderschöne Landschaft, in der er sich nun mit seinen Gefährten in Mutter Sonne Antlitz erfreuen darf.

copyright: Martin Wimmer